Corona – Beziehung in der Krise

Ursachen und Lösungen

Viele meiner Klienten bitten mich derzeit um Unterstützung: „Wir haben solch einen Stress durch Corona – unsere Beziehung ist in der Krise! Was können wir tun?“ All das, was bisher der Alltag war, mit allen Gewohnheiten, Ritualen und Abläufen im beruflichen und auch im privaten Leben, hat sich durch Corona fast vollständig verändert. Corona verursacht bei vielen Menschen finanzielle Sorgen bis hin zu existenzieller Not. Auch Ängste um die eigene Gesundheit und um das Wohlergehen der Angehörigen belasten viele meiner Klienten.

Man muss auf engem Raum nun viel Zeit miteinander verbringen – durch Homeschooling und geschlossene Kitas ist das Homeoffice und die Quarantäne meistens auch nicht gerade eine Ruhezone – das allein sind schon genug Gründe für Beziehungsstress. Und selbst die „Paarantäne“ auch ohne Kinder stürzt viele Paare gerade in die Corona-Krise. Draussen werden gerade Masken angezogen, Zuhause aber legen ganz viele Menschen die Masken ab, die sie sonst tragen – und zeigen sich mit ganz anderem Gesicht als gewohnt. Woran liegt das?

 

Reaktion auf Stress, nicht nur durch Corona

Menschen haben das Bedürfnis, die Geschehnisse in ihrem Leben kontrollieren zu können. Bei vielen sorgt Corona jedoch gerade für das Gefühl von Unsicherheit und Kontrollverlust und wirft jeden von uns auf die ganz eigenen, persönlichen Themen zurück. Stresshormone werden ausgeschüttet, der ganze Körper ist in Alarmbereitschaft und reagiert mit ganz unterschiedlichen körperlichen Erscheinungen.  Nicht nur kurzfristige Konflikte, sondern auch langfristiger Stress können sich auf den Körper auswirken und das Immunsystem schwächen.

In Krisensituationen erleben wir, wie unterschiedlich Menschen mit Herausforderungen umgehen. Manchen gelingt es, locker und gelassen zu bleiben, andere geraten in Schockstarre. Je nach Charaktertypus und eigenen Erfahrungswerten reagiert der eine mit „Fight“ (Kampf)  oder auf solche Herausforderungen, zum Beispiel mit Aktionismus und Tatendrang und kämpft gegen den Stress und das Thema – den „Feind“.  Der zweite reagiert mit „Flight“ (Flucht) und rettet sich zum Beispiel in Alkohol, Drogen oder TV-Soaps, weil die reale Flucht vor Corona derzeit nicht möglich ist. Und der Dritte findet seine Lösung in „Freeze“ (Einfrieren), indem er das Thema ignoriert, sich „tot stellt“, resigniert, sich seinem Schicksal ergibt und wartet, bis alles vorbei ist. Man kann sich vorstellen, dass allein diese unterschiedlichen Reaktionen auf Stress für Eine Beziehungskrise sorgen können.

 

„In der Krise zeigt sich der wahre Charakter“   (Helmut Schmidt)

 

Apropos Charaktertypen:

Hier ist eine weitere Quelle, die durch Corona die Beziehung in die Krise stürzen kann –  das kennt man ja auch schon von Familienfesten wie Weihnachten oder Ostern – die Ausnahmesituation dauert diesmal nur viel länger an! Menschen sind einfach unterschiedlich, haben unterschiedliche Erwartungen, Werte oder Wünsche.
Paula freut sich zum Beispiel über die vermehrte Nähe und die gemeinsame Zeit, Paul wünscht sich derzeit vielleicht nichts mehr als Ruhe, Distanz oder Freiheit.
Christian ist vielleicht gern viel unterwegs, braucht viele Kontakte, Unternehmungen und Veranstaltungen – Christiane genießt die Ruhe Zuhause, die Entspannung, das Meditieren und lange Telefonate mit ihren Freundinnen.
Stefan mag Veränderungen, es fordert ihn heraus, Lösungen zu finden und er genießt diese Herausforderungen.
Stefanie hat vielleicht in ihrer Lebensgeschichte gelernt, dass Veränderungen Angst machen und sie ihnen hilflos ausgeliefert ist.

Nicht zu unterschätzen ist – nicht nur in Coronazeiten ! – außerdem der Einfluss des Umfeldes und den damit verbundenen Informationen und Verhaltensweisen auf jeden Einzelnen. Der eine ist vielleicht eher optimistisch eingestellt, hat viele Mutmacher in seinem Umfeld, während der andere von Menschen umgeben ist, die eher das Schlechte sehen und sich gegenseitig das Leid klagen. Diese Energien, Stimmungen und Einflüsse haben bewusst und unbewusst einen ganz enormen Einfluss auf so eine Beziehungskrise.

Diese Verschiedenheiten sind im normalen Alltag eingespielt und durch viele Ablenkungen auch manchmal nicht so offensichtlich, treten aber in herausfordernden Krisensituationen wie Corona nun ganz besonders deutlich hervor. Sie triggern den Partner, sorgen für Unmut, Unverständnis und Enttäuschungen.
Das ist Beziehungsstress, der ohne Corona gar nicht so aufgefallen oder entstanden wäre.

 

Wie geht Beziehung in der Krise? Was tun, wenn die Beziehung selbst in der Krise ist?

Schon in „normalen“ Zeiten ist wertschätzende Kommunikation ein wesentlicher Bestandteil einer gelingenden Beziehung. Gerade aber, wenn wir unter Stress stehen (siehe oben), reagieren wir häufig empfindlicher, gereizter oder weniger geduldig und verständnisvoll. Das eigene System ist durch Corona belastet, jeder hat mit sich selbst gerade jetzt besonders viel zu tun. Manche haben durch Corona echten Beziehungsstress mit sich selbst.
Achtung und Wertschätzung für den anderen deshalb ist jetzt ebenso wichtig wie die Bereitschaft, den anderen zu respektieren und zu verstehen, wenn er anders mit Konflikten und Krisen umgeht als man selbst.

Seien Sie also gesprächsbereit, sprechen Sie in Ich-Botschaften und hören Sie aktiv zu. Die Anleitung für gute Kommunikation in der Beziehung finden Sie hier

Seien Sie in dieser Zeit großzügiger und geduldiger als sonst. Gerade jetzt muss man sich nicht über die berühmte Zahnpastatube streiten. Vor allem darf der Partner nicht als Mülleimer für die eigene schlechte Laune oder Dauer-Jammern missbraucht werden.

 

Was ist besonders wichtig?

Für die meisten meiner Klienten ist Verlässlichkeit und Hilfsbereitschaft in Ausnahmesituationen von größter Wichtigkeit, denn diese beiden Aspekte geben das Gefühl von Sicherheit und Halt in diesen neuartigen, unsicheren Zeiten. Achtsamkeit, Toleranz, Geduld und die Bereitschaft, aktiv etwas für die Partnerschaft zu tun und  sich zugunsten der Liebe auch einmal zurückzunehmen – das sind die Sahnehäubchen der Beziehung.

 

Struktur und Gestaltung in Corona Zeiten

Während im „normalen“ Alltag die Struktur der Tage durch Arbeits- und Schulbeginn geregelt ist, freuen sich viele nun über diese Zeit ohne Termine. Viele genießen nun das Herumlümmeln in Immer-der-gleichen-Jogginghose, stehen spät auf und alles ist sehr variabel und unbestimmt. Eine Zeitlang mag das gutgehen, aber für ein gutes Miteinander ist ein wenig Struktur und Planung gerade jetzt sehr wichtig.  Es funktioniert einfach besser, wenn jeder weiß, woran er ist.  Planen und organisieren Sie deshalb die täglichen Abläufe und die To-Dos. Dazu gehören auch klare Zeiten für „PaarZeit“ und persönliche „RückzugsZeit“.  Treffen Sie gemeinsam Vereinbarungen – und halten Sie sich daran.

 

Ändern Sie Ihren Fokus

Bemühen Sie sich, nur so viel wie notwendig und so wenig wie möglich an Negatives zu denken. Das gilt für die Umstände der Corona Zeit ebenso wie für Ihre Beziehung.
Versuchen Sie, gerade jetzt in dieser intensiv miteinander verbrachten Zeit nicht so sehr auf die Macken des Partners zu schauen, sondern entdecken Sie neu, was liebenswert und besonders an ihm ist. Welche positiven Eigenschaften und Charakterstärken haben Sie bisher vielleicht noch nicht wahrgenommen? Was zeichnet ihn in dieser Situation aus – was kann er vielleicht besser als Sie selbst? Was könnten Sie sich abschauen, anerkennen oder mit neuen Augen sehen?

Bemühen Sie sich um eine positive Grundstimmung verstärken sie sie mit kleinen liebevollen Gesten  und …

 

… sorgen Sie gut für sich selbst!

Hinterfragen Sie die Erwartungen, die Sie an den Partner haben und übernehmen Sie Verantwortung für Ihr eigenes Wohl.  Welches Ihrer Bedürfnisse können Sie sich selbst erfüllen? Was können Sie dafür tun, damit es Ihnen in dieser Zeit besser geht? Und vor allem …

 

… sorgen Sie für die Beziehung – raus aus der Krise!

Liebe ist ein Pflänzchen, das von beiden Partnern begossen werden muss, damit es blüht.  In der Paarberatung werden da manchmal ganz häufig Dinge angesprochen, die der Partner noch gar nicht wusste. Fragen Sie Ihren Partner deshalb, ob sie ihn in dieser Zeit auf irgendeine Weise unterstützen können. Kleine Gesten im Alltag wie Berührungen oder kleine Aufmerksamkeiten signalisieren dem Partner „ich bin für Dich da“, „ich liebe Dich“ oder „Du bist mir wichtig.“

Sorgen Sie ganz bewusst für Glücksmomente und machen Sie Ihr Zuhause zu einem Ort, an dem Sie auftanken können. Finden Sie (neue) Gemeinsamkeiten. Kochen Sie gemeinsam, machen Sie Spaziergänge oder entwickeln Sie gemeinsame Projekte. Gibt es Dinge, die Sie im normalen Alltag sonst nie tun konnten? Gestalten Sie die Situation, entdecken Sie sich selbst und den Partner neu.

 

Zugegeben –

Da können auch ganz andere Aspekte sichtbar werden in dieser Zeit. Vielleicht wird Ihnen gerade jetzt bewusst, dass Sie völlig andere Werte oder Ziele haben als Ihr Partner und Sie trotz besten Willens nicht zusammenpassen?  Vielleicht hapert es an der Verlässlichkeit oder Freundlichkeit untereinander, vielleicht ist sogar Aggression im Spiel?

Möglicherweise wird Ihnen gerade klar, dass es so auf keinen Fall weitergehen kann.
Vielleicht haben Sie auch schon eine Idee, was genau sich ändern soll – und wissen nur noch nicht, wie das gehen kann?

In der Paarberatung schaue ich als neutrale Betrachterin auf Ihre Situation und gemeinsam finden wir Ursachen für die Konflikte und gestalten Ihre ganz individuellen Lösungsansätze. Optimalerweise sind sich dabei beide einig und möchten gemeinsam eine Lösung finden. Beide machen also mit.

Wenn es aber darum geht, den eigenen Stress zu minimieren, das eigene Verhalten zu verändern und den eigenen Anteil zu erkennen, sind Einzelcoachings sinnvoll. Denn auch wenn nur einer allein sich auf den Weg macht, um die Beziehung zu verbessern, ist schon viel gewonnen. In Einzelcoachings schaue ich ganz besonders auf die ganz individuellen Stressauslöser und deren Ursachen und neutralisiere sie mit mentalen Techniken. Allein das hat meist schon erhebliche Auswirkungen zur Verbesserung der „Corona – Beziehungskrise“.

Einzelpersonen oder Paare müssen übrigens nicht in meine Praxis kommen, also auch nicht in Öffentliche Verkehrsmittel steigen und sich Berührungsängsten aussetzen, denn Sitzungen per skype funktionieren auch in Corona-Zeiten ganz wunderbar und beenden den Beziehungsstress manchmal schon in einer einzigen Sitzung.

 

Rufen Sie mich doch einfach einmal an  – das ist der erste Schritt aus der Krise  –   Kontakt

 

 

Mehr Tipps und Informationen zum Thema finden Sie unter  „Paarberatung“